{jathumbnail off}Reitstiefel kaufenDas wichtigste überhaupt: Der Reitstiefel muss von Anfang an gut passen! Ist der Stiefel zu weit, hat Ihr Fuß keinen halt und der Stiefel „latscht“ schnell aus. Ist der Stiefel zu eng, ist er unbequem und bildet rasch hässliche Ausbeulungen an den Stellen wo der Stiefel drückt. Lassen Sie sich da nichts einreden und kaufen Sie keinen Stiefel, der Ihnen nicht von Anfang her gut passt, also an keiner Stelle stark drückt. Allerdings darf der Stiefel am Anfang noch etwas zu hoch sein (zwicken in der Kniekehle), denn der Stiefel wird sich rasch senken. Kleine Keile in den Fersen können dies am Anfang gut ausgleichen.

Vor der Mitte des 20. Jahrhunderts waren Stiefel  generell nicht Bestandteil der Mode. Sie hatten beim Tragen ausschließlich eine bestimmte Funktion zu erfüllen. So gab es neben Arbeitsstiefeln unter anderem Reitstiefel. Die Entwicklung des Stiefels allgemein geht bis ins Altertum zurück. Die als römische Militärstiefel bekannten Caligae sind uns heute noch ein Begriff. Besonders Angehörige des Militärs waren von jeher als Träger von Stiefeln, speziell von Reitstiefeln, prädestiniert. Als Alternative zum etwas unbequemen und sehr warmen klassischen Reitstiefel ließen sich englische Soldaten Anfang des 20. Jahrhunderts in Indien kurze Stiefeletten einfallen.

Sie übernahmen die im Fürstentum Dschodhpur getragenen Reithosen und erfanden dazu die kurzen Jodhpur-Stiefeletten. Jodhpurs oder Jodhpurhosen sind an den Unterschenkeln eng geschnitten und auf der Innenseite mit Leder verstärkt. Oben sind die Hosen dagegen weiter, wodurch sie zum Reiten schön bequem sind. Im heißen Indien war es für die Soldaten angenehmer, keine hohen Schaftstiefel zusätzlich über den Hosen tragen zu müssen. Die kurzen Jodhpur-Stiefel erfüllten ihren Zweck voll und ganz. Nur im Polosport konnten sie sich über die langen Jahrzehnte nicht durchsetzen

Reitstiefel für Dressur – Springen – Vielseitigkeit

Reitstiefel müssen passenDa der Reitstiefel in seiner Funktion begrenzt ist, kann man ihn nur nach seinem Einsatzbereich unterscheiden. Allen gemein, mit Ausnahme der Stiefeletten, ist der lange Schaft und flache Absatz. Die Laufsohle kann je nach Qualität der Reitstiefel aus Gummi oder Leder bestehen. Auf den Ledersohlen ist häufig ein rutschhemmender, geriffelter Gummifleck aufgeklebt.

  • Der sogenannte Springstiefel ist schon fast der Allrounder unter den Reitstiefeln. Um dem Reiter ein hohes Maß an Bewegungsfreiheit zu garantieren, ist der Schaft aus weicherem Leder gefertigt.
  • Der Dressurstiefel ist an der Innenseite, der Auflagefläche zum Pferd hin, ebenfalls weich, um den notwendigen engen Kontakt zwischen Pferd und Reiter durch den Reitstiefel zu ermöglichen. Die Außenseite des Stiefels hingegen ist verstärkt, um die Lage des Beins am Pferd stabil zu halten und den Unterschenkel des Reiters länger erscheinen zu lassen.
  • Kaum von den bereits erwähnten Stiefeln zu unterscheiden ist der Polostiefel. Er ist jedoch meist in besserer Qualität gefertigt, also rahmengenäht, ledergefüttert und mit einer Lederlaufsohle ausgestattet. Polostiefel werden ausschließlich in Braun getragen. Zum bequemeren An- und Ausziehen weisen diese Stiefel einen Reißverschluss über die gesamte Schaftlänge auf, entweder an der Hinterseite oder seltener vorne. Sehr exklusive Modelle und vor allem qualitativ hochwertig sind die Petrie-Reitstiefel aus Holland.
  • Ebenfalls ein hochwertiger Petrie-Reitstiefel ist der sogenannte Thermostiefel. Ein Modell, das aus robustem Nubukfettleder hergestellt ist, eine rahmengenähte Sohle hat und bezüglich des Futtermaterials in verschiedenen Ausstattungen zu haben ist. So kann man bei diesem Stiefel zwischen echtem Fellfutter, Teddymaterial oder Lederfutter wählen. Da Pferde auch im Winter bewegt werden müssen, sei es in einer unbeheizten Halle oder im freien Gelände, haben die meisten Hersteller ihr Angebot um die wärmeren Thermostiefel erweitert. Die Sohlen fertigt man in diesem Fall aus Gummi oder Polyurethan, um Wasserfestigkeit zu gewährleisten.
  • Westernstiefel sind ihrer ursprünglichen Funktion nach Arbeitsstiefel, nämlich die der Cowboys. Sie zeichnet eine wesentlich höhere Bequemlichkeit im Vergleich zu Spring- oder Dressurstiefeln aus. In der Regel ist der Schaft lediglich wadenhoch und eher weiter als eng. Auffällige stilistische Merkmale der Cowboystiefel sind ferner die spitze Vorderfront und besonders der unterstellte Absatz, damit der Reiter nicht hängen bleibt.
  • Die letzte Variante unter den Reitstiefeln sind eigentlich keine richtigen Stiefel, sondern Stiefeletten. Die Jodhpur-Stiefel genannten Boots sind knöchelhoch und werden beim Reiten entweder zu Jodhpurhosen getragen oder aber mit sogenannten Chaps. Dies sind gamaschenähnliche Beinkleider, die in ihrer kurzen Form zu Stiefeletten getragen werden und den Unterschenkel schützend umschließen. Es gibt sie sowohl aus strapazierfähigem Synthetikmaterial als auch aus verschiedenartigem Leder. Je nach Einsatzgebiet können sie robust und widerstandsfähig oder eher leicht und weich sein. Der große Vorteil von Chaps liegt darin, dass man nur ein Paar teure Stiefeletten braucht und mit den günstigeren Chaps die Trageeigenschaften der Stiefel variieren kann.

Auch Reitstiefel gibt es, was Qualität und Ausstattung angeht, in vielen verschiedenen Ausführungen. Angefangen vom sehr günstigen Gummistiefel, der sich besonders für Kinder und Anfänger eignet, über Reitstiefel in Rindboxleder mit Gummisohle bis hin zu den teuren Petrie-Reitstiefeln aus feinem Boxcalfleder.

Cavallo-Reitstiefel beispielsweise findet man als mit Lammfell gefütterte Stiefelette. Den Aigle-Reitstiefel gibt es aus PVC, dem typischen Material für Gummistiefel, was ihn preisgünstig macht. Qualitativ höherwertig sind Reitstiefel, die rahmengenäht, ledergefüttert und aus Rindbox- oder Boxcalfleder gefertigt sind.

Leder ist nicht gleich Leder

■ Lederreitstiefel werden aus Rinds- oder Kalbsleder hergestellt. Boxcalf ist das hochwertigste für Reitstiefel verwendete Leder. Es ist ein feines, glattes, aber zugleich stabiles Leder, das nicht durchgefärbt ist.
■ Rindbox ist die kräftigere, stabilere und durchgefärbte Variante zum Boxcalf.
■ Veloursleder ist sehr weich und geschmeidig und wird meistens aus Kalbs-, Ziegen- oder Schafhäuten hergestellt.
■ Wildleder stammt aus den Häuten von Reh, Hirsch, Elch, Gazelle oder Antilope. Känguruhleder ist besonders weich, dabei aber reißfest und strapazierfähig.
■ Gutes Leder wird neun bis zwölf Monate durchgefärbt und gegerbt. Die Farbe wird nicht nur oberflächlich aufgesprüht. Die meisten Lederreitstiefel haben innen eine Lederbrandsohle. Zunehmend werden jetzt aber auch Modelle mit Fußbett angeboten, wodurch sich der Tragekomfort erhöht.

Es gibt verschiedene Verfahren, wie die Sohle und Schaft des Reitstiefels verbunden werden. Im einfachsten Falle sind diese über eine Klebung (z.B. APO) verbunden, im besseren Fall genäht (am besten rahmengenäht). Generell ist zu sagen, dass genähte Stiefel teurer sind, da das Verfahren aufwendiger ist als die Klebung. Genähte Stiefel halten bei richtiger Pflege meist auch länger als geklebte und können Ihre Form besser behalten, da die Naht selbst etwas elastisch ist. Typischerweise kann man von Reitstiefeln unter 300€ nur geklebte Sohlen erwarten.

Das wichtigste Kriterium für die Stabilität eines Stiefels ist die Größe. Vergleiche ich die Stiefel einer Frau mit der Schugröße 38, mit einem Reitstiefel der Größe 46, so fällt sofot auf, dass weder das Leder noch die Naht mit der Größe dicker werden. Kleinere oder besser gesagt kürzere Reitstiefel sind einfach von sich aus schon wesentlich stabiler ist als ein großer und langer Reitstiefel. Hinzu kommt, dass größere Stiefel, bedingt durch die größere Hebelwirkung, größeren Belastungen ausgesetzt sind. Gerade Reiter, die auf „großem Fuß“ leben, sollten daher auch den teureren „rahmengenähten“ Stiefel bevorzugen.


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